Friedlicher Mob in Picknicklaune

Zwei Stunden Picknick vor dem Schloss – das wollte Dirk Schadt, einer der Initiatoren dieser Verabredung, auch nicht mehr als "Blitzauflauf" bezeichnen. Es war eine Art Flashmob in Zeitlupe. Sie saßen da und aßen, und Passanten guckten ihnen dabei amüsiert zu.

Um 16 Uhr wurde die Mitte des Schlossvorplatzes zu einem einzigen gedeckten Tisch. Es war die Antwort auf Fragen zuvor: Findet hier etwas statt oder nicht? Schadt hatte nach schwieriger Korrespondenz mit der Stadt, die unter anderem von einer "nicht genehmigungsfähigen Sondernutzung" sprach, im Internet darum gebeten, "nicht" zu kommen. Dieses "Nicht" wurde im satirisch-verschmitzten Textkontext von den meisten ohne Weiteres als "Doch" empfunden.

Es wurde vor dem Schloss durchweg sehr gesund gegessen: Feldsalat, Mozzarella, Tomaten, Sojasprossen. Gurken wurden zu Scheiben verarbeitet, Melonen aufgeschnitten. Saft und Eistee aus Tetrapacks, Petflaschen mit Mineralwasser. Bier wurde in Maßen getrunken. Viele hatten sich Campingstühle und Kissen mitgebracht, um nicht den nackten Stein zu spüren. Mittenmang das eine oder andere Kleinkind.

Die Polizei sprach entspannt von einem völlig friedlichen Geschehen. Nach ihrer Schätzung haben 120 an dem Picknick teilgenommen. Andere Schätzungen liegen bei 200 bis 300. Bei der Aufregung im Vorfeld – bei Flashmobs dramaturgisch durchaus gewollt – hatte man mit mehr Teilnehmern gerechnet. Die Auseinandersetzungen mit der Stadt waren ja im Internet nachzulesen gewesen. Um so eifriger nutzten andere Parteien, aber nicht die CDU, das Picknick zur Selbstdarstellung.

Im Hintergrund, auf dem Bohlweg, fuhr hin und wieder ein Polizeiwagen vorbei. Offizielle der Stadt waren nicht zu sehen. BZ sprach mit einem über den Verlauf der großen Mahlzeit sehr zufriedenen Dirk Schadt, der vorher mehrfach erklären musste, dass er nicht der Veranstalter sei.

Im Nachhinein findet er es gar nicht mehr so geschickt, dass er im Internet im Zusammenhang mit dem Picknick auch das Wort "grillen" verwendet hatte. Kokeln, zündeln vor dem Schloss, das im 19. Jahrhundert bekanntlich schon mal abgefackelt worden war? Das fand man im Rathaus gar nicht gut. Schadt, seit einigen Jahren als eine Art schalkhafter Spontifex maximus unterwegs, löschte das "Grillen" in seinem Text. Vor dem Schloss hat tatsächlich keiner gegrillt. Gegen 18 Uhr wurde ordentlich aufgeräumt. Aus einem Flashmob wurde ein "Wischmob".

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