„Warme Wohnung statt warmer Worte“

In einem Container mit Glasfront machen Karlsruher Studenten auf ihr Wohnungsproblem aufmerksam.

Foto: Uli Deck/dpa

In einem Container mit Glasfront machen Karlsruher Studenten auf ihr Wohnungsproblem aufmerksam. Foto: Uli Deck/dpa

Braunschweig. Wohnungssuchende Studenten schliefen in Konstanz mehrere Nächte demonstrativ im Schaufenster eines Kaufhauses - um auf ihre Not aufmerksam zu machen. In Freiburg bat das Studentenwerk mit Großtransparenten auf Bussen und Bahnen die Bürger, leerstehende Zimmer an Studenten zu vermieten. In Heidelberg war ein ähnlicher Appell unlängst gar auf allen Brötchentüten zu lesen, die in der traditionsreichen Uni-Stadt morgens in den Bäckereien für Kunden gefüllt wurden.

Rund eine halbe Million junger Menschen haben jeweils in diesem wie im vergangenen Jahr erstmals ein Studium aufgenommen. Mit insgesamt 2,5 Millionen Eingeschriebenen gibt es in Deutschland zur Zeit so viele Studenten wie noch nie. Aber auch noch nie waren in den Hochschulstädten der Wohnraum für Studierende so knapp und die Mieten so hoch. Bundesbauminister Peter Ramsauer (CSU) sprach am Dienstag bei einem Runden Tisch zur studentischen Wohnungsnot von 70 000 fehlenden Unterkünften.

Doch was tun? Seit Jahren fordert das Deutsche Studentenwerk (DSW) vergebens die Neuauflage eines Bund-Länder-Zuschussprogramms zum Bau von weiteren 25 000 preisgünstigen Wohnheimplätzen - ähnlich wie schon in den 90er und auch den frühen 80er Jahren. Diese Mini-Appartements in den Heimen kosten im Schnitt zwischen 220 und 230 Euro Miete im Monat. Sie sind besonders ideal für Erstsemester, die heute infolge der Schulzeitverkürzung bis zum Abitur häufig gerade mal 17 Jahre alt sind. Zum Teil hat das DSW aber auch für WGs ganze Wohnungen in den Hochschulstädten gekauft oder angemietet. Sie sind vor allem bei älteren Studierenden gefragt.

Rund 183 000 Unterkünfte verwaltet das Studentenwerk insgesamt. Hinzu kommen etwa 50 000 subventionierte Plätze bei anderen freien Trägern oder auch Privatleuten.

Der aktuelle Studentenboom kam freilich nicht überraschend. Jahre zuvor war absehbar, dass ab 2010 extrem geburtenstarke Jahrgänge die Gymnasien verlassen. Ausgerechnet für diese jungen Menschen haben die Kultusminister noch die Schulzeit bis zum Abitur verkürzt, so dass nun in vielen Ländern gleich doppelte Abiturientenjahrgänge an die Hochschulpforten klopfen. Obendrein wurde im vergangenen Jahr auch noch die Wehrpflicht für die jungen Männer ausgesetzt.

Seit Monaten streiten Bund und Länder nun über die Mehrkosten, die im Rahmen des Hochschulpakts für zusätzliche Studienplätze, Dozenten und Honorarkräfte anfallen. Allein auf Bundesseite geht es neben den bereits fest vereinbarten knapp 5 Milliarden Euro um weitere 3,6 Milliarden Euro bis 2018. Der Bildungsetat des Bundes soll aber ab 2014 nach Planung von Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) wieder sinken - statt weiter zu steigen.

Doch die vielen Studenten brauchen nicht nur Plätze im Hörsaal und zusätzliche Dozenten, „sondern auch ein bezahlbares Dach über dem Kopf“, argumentiert das Studentenwerk. Ramsauer verweist indes auf die Länder und erweckt dabei den Eindruck, dass der Bund doch eigentlich gar nicht zuständig sei.

„Studierende brauchen warme Wohnungen statt warmer Worte“, klagte die Studentenvertreterin Katharina Mahrt nach dem Treffen. Gleichwohl sei es ein Lichtblick, dass das Thema Wohnungsnot nun auch auf Bundesseite thematisiert wird.

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