Vom Entwickler zum Projektleiter

Braunschweig  Projektleiter müssen nicht nur fachlich fit sein. Sie brauchen viele andere Fähigkeiten, um Projekte zum Erfolg zu führen.

Herr Müller arbeitete als Entwickler und Programmierer für eine Software-Schmiede. Nachdem der Diplom-Informatiker vier Jahre dort tätig war, bot ihm sein „Chef“ eine neue Aufgabe an – aufgrund seiner hervorragenden fachlichen Leistungen. Herr Müller könne ein IT-Entwicklungsprojekt für einen führenden deutschen Automobilhersteller leiten. Müller nahm das Angebot an: hochmotiviert. Doch schon nach wenigen Wochen stellte er ernüchtert fest: Ein Großprojekt zu leiten, erfordert nicht nur eine neue Arbeitsweise. Es verlangt von mir auch Fähigkeiten, die ich noch nicht habe.

Ähnliche Geschichten erzählen Projektleiter oft, wenn man sie nach ihrem Werdegang fragt, weiß Unternehmensberater Daniel Krones. Der Grund: Projektleiter werden häufig wegen ihrer fachlichen Leistungen auserkoren. Verkehrt ist das nicht. Denn sie müssen auch technische Details verstehen sowie die Richtigkeit und Qualität von Projektergebnissen prüfen können. Oft wird aber vergessen: Projektleiter benötigen mehr als nur Fachwissen. Im Idealfall füllen sie vier Rollen aus.

Rolle 1: der Fachmann. Die fachlichen Anforderungen erfüllen die meisten Projektleiter. Sie sind in der Lage, technische und fachliche Details zu verstehen, zu bewerten und selbst auszuarbeiten. Das erleichtert ihnen die tägliche Arbeit enorm, da sie Zusammenhänge schneller durchdringen als „Fachfremde“.

Rolle 2: der (Projekt-)Manager. Ein Projektleiter braucht auch methodisches Know-how. Genauer gesagt: Projektmanagementkompetenz. Deshalb bilden Unternehmen frischgebackene Projektleiter meist weiter – entweder intern oder extern. In diesen Weiterbildungen lernen die Projektleiter das Instrumentarium zum Planen und Steuern von Projekten kennen. Unerlässlich ist zum Beispiel das Beherrschen von Methoden für folgende Aufgaben: Ziel und Auftrag klären, Projektstruktur- und Terminplan entwerfen, Aufwand schätzen und Ressourcen planen, Risiken managen.

Rolle 3: die Führungskraft. Die Praxis zeigt: Gerade den „weichen“ Themen wird in den Weiterbildungen für Projektleiter oft wenig Beachtung geschenkt. Ihr Fokus liegt meist auf der Fach- und Methodenkompetenz. Ein Projektleiter muss aber auch ein Team führen. Zudem sollte er die Interessen von Kunden und Vorgesetzten, involvierten Abteilungen und Projektmitarbeitern „koordinieren“ können. Das erfordert ein hohes Maß an sozialer Kompetenz.

Rolle 4: der Unternehmer. Projektleiter sind, für begrenzte Zeit, „Geschäftsführer“ eines Projektes. Und wie die Führungsspitze eines Unternehmens müssen sie Budgets planen und verwalten. Weitere unternehmerische Tätigkeiten: Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen durchführen, die Risiken des Projekts identifizieren und bewerten sowie Handlungsstrategien entwickeln.

Entsprechend diesen (Rollen-)Anforderungen sollten Unternehmen ihre Projektleiter entwickeln, ist Krones überzeugt – zum Beispiel mittels Trainingsprogrammen, die auf die Situation des jeweiligen Unternehmens abgestimmt sind. Damit aus dem guten Programmierer auch ein guter Projektleiter wird.

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