Gelassen und voller Zuversicht

Braunschweig  Arbeitsstrukturen und -inhalte in Betrieben ändern sich immer schneller. Deshalb brauchen gute Mitarbeiter heute teils andere Fähigkeiten als früher.

Wer in seinem Beruf Spitze sein möchte, braucht das nötige fachliche Wissen und Können. Doch dieses Fachwissen allein genügt in der Regel nicht, um beruflich erfolgreich zu sein. „Denn Berufstätige agieren nicht im luftleeren Raum“, betont Prof. Karl Müller-Siebers, Präsident der Fachhochschule der Wirtschaft (FHDW), Hannover. „Sie sind Teil einer Organisation.“ Also müssen sie mit anderen Menschen kooperieren und harmonieren. Und dies setzt ebenfalls gewisse Fähigkeiten voraus. Doch welche?

Das hängt auch von der Struktur der Betriebe und deren Arbeitsorganisation ab, erklärt Stefan Bald, Geschäftsführer der Unternehmensberatung Dr. Kraus & Partner, Bruchsal. So waren zum Beispiel in den sehr hierarchisch strukturierten Betrieben, die bis vor knapp 20 Jahren die Unternehmenslandschaft prägten, primär die klassischen Sekundärtugenden, auch preußische Tugenden genannt, gefragt. Die Mitarbeiter sollten pünktlich und fleißig sein; zudem gewissenhaft ihre Aufgaben erfüllen. „Und ansonsten den Mund halten“, ergänzt Bald.

Vor circa 20 Jahren wurde die Arbeit neu strukturiert. Von nun an wurden an Mitarbeitergruppen mehr oder weniger komplexe Aufgaben delegiert, die sie weitgehend eigenverantwortlich lösen sollten.

Heute sei die Team- und Projektarbeit in den meisten Unternehmen gängige Praxis, betont Prof. Müller-Siebers. Dafür gewinnen neue Themen an Bedeutung. Denn aufgrund der Globalisierung und des rasanten technischen Fortschritts stehen die Unternehmen unter einem enormen Veränderungsdruck. Und der wirkt auch auf die Mitarbeiter.

Hieraus resultiert oft ein immenser Lernbedarf – ein Bedarf, der „mit ‚verordneten’ Qualifizierungsmaßnahmen, die von der Personalabteilung für alle Mitarbeiter konzipiert werden, schon lange nicht mehr gedeckt werden“, erklärt Werner Ollechowitz, Bereichsleiter Personal bei der Bausparkasse Schwäbisch Hall. Das heißt, „das Lernen für heutige und künftige Aufgaben muss ein Teil des Arbeitsalltags werden“. Und: Die Mitarbeiter müssen ihre Entwicklung selbst in die Hand nehmen, ihren Entwicklungsbedarf erkennen, eigene Lernprozesse organisieren und sich motivieren.

Diese Fähigkeit zur Selbstmotivation wird in der modernen Arbeitswelt zu einer Schlüsselkompetenz. Davon ist Martin Baltes, Gruppenleiter Recruiting Fach- und Führungskräfte beim DAX-Konzern Merck in Darmstadt überzeugt. „Denn je eigenständiger und -verantwortlicher die Mitarbeiter arbeiten und je häufiger sie vor neuen Herausforderungen stehen, umso öfter geraten sie an einen Punkt, bei dem sie zunächst das Gefühl haben: Das kann ich nicht.“ Dann wird von Arbeitnehmern, so Berater Bald, heute erwartet, dass sie nicht unmittelbar die Flinte ins Korn werfen, sondern einen Versuch wagen.

Das setzt laut Ollechowitz voraus, dass die Mitarbeiter die erforderliche Grundzuversicht entwickeln, um „neuartige Aufgabenkomplexe anzugehen – im gebotenen Komplexitäts-, Zeit- und Kostenrahmen“.

Doch dies allein genügt nach Auffassung von Bald nicht: „Die Mitarbeiter müssen auch lernen, ihre Gedanken und ihr Verhalten zu steuern.“ Das heißt, sie dürfen bei neuen Herausforderungen zwar durchaus zunächst innerlich fluchen. Aber nach einiger Zeit sollten sie dann denken: „So schlimm, wie es erscheint, wird es schon nicht werden“ und sich zum Handeln durchringen.

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