Casinoschule vermittelt Schliff

Singapurs erstes Trainingszentrum für Croupiers – Jetons und Kartenspiele gehören zum Unterrichtsmaterial

Schüler, die sich zu Croupiers ausbilden lassen, üben das Kartenspiel Baccarat in Singapur.    

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Schüler, die sich zu Croupiers ausbilden lassen, üben das Kartenspiel Baccarat in Singapur.     Foto: dpa

Wie ein Casino Royale sieht es hier nicht gerade aus, am Ende eines wenig glamourösen Einkaufszentrum fernab der Glitzermeile Orchard Street in Singapur.

Weder James-Bond-Verschnitte noch Ebenbilder des neuesten Bösewichts "Le Chiffre" sind hier zu finden. Auch die Millioneneinsätze nicht, Geld ist in diesem Möchtegerncasino tabu.

Die Croupiers sind Lernanfänger, die sich in der Kunst des Jeton-Ordnens, Kugelschiebens und Kartenmischens üben. Die Schüler der ersten Casinoschule in Singapur wollen sich fit machen für das nahende Casinozeitalter in dem Stadtstaat.

Ignatius Sharma steht am Roulettetisch und lässt einen Turm Jetons von einer in die andere Hand rasseln. Immer wieder und ohne je eine der dünnen Scheiben zu verlieren. Lässig zaubert er aus dem Turm in Sekunden vier perfekte Reihen von je fünf Jetons auf die grüne Filzmatte, alle gleich lang, alle im gleichem Abstand. Dann schiebt er zehn Türme à 20 Jetons mit Karacho über den Tisch, mit rechts, mit links, und kein einziger verrutscht. Sharma zeigt, was er kann, und die Studenten staunen.

"Achtung: jetzt vier Türme à 20!", weist Sharma an, und die Croupiers in spe müssen die Türme mit präzisen Fingerstellungen über den Tisch bugsieren. "Jetzt sechs! Dann acht!" Wer die bunten Türmchen umschmeißt, fängt von vorne an.

Bei Sharma muss jeder Fingergriff sitzen. Die jungen Leute stöhnen. "Das schaff' ich nie", murmelt einer, der in Badelatschen an der Tischplatte lehnt.

Sharma nimmt den Aufzug des jungen Mannes mit deutlicher Missbilligung in Augenschein. "Zwei Wochen lassen wir ihnen Eingewöhnungszeit, dann bringen wir sie auf Vordermann. "Hygiene ist ein wichtiger Teil der Ausbildung", sagt Sharma, der 17 Jahre in Casinos und auf Casinoschiffen Jetons geordnet und Karten gemischt hat. "Die Gäste wollen ein gepflegtes Gegenüber", sagt er. Sharma ist Ausbilder.

Singapur will bis 2009 in die Domäne der Spielerparadiese vorstoßen, nach jahrelangem Ringen. Dafür wird Personal gebraucht, mindestens 35 000 Leute. Das neu gegründete "Clubspiel-Trainingszentrum" bildet sie aus.

Die erste Klasse bekommt ihr Diplom im Januar. Anders als die Jetonschieber am Nebentisch haben die Pioniere die Hygiene- und Körperpflegelektionen augenscheinlich schon hinter sich. Die Schüler sitzen beim Kartenmischen in schwarzer Hose oder Rock, weißem Hemd, Weste und Fliege am Tisch. "Damit sie sich gleich daran gewöhnen, sich in diesen Sachen wohl zu fühlen", sagt Lehrer Darwin Cusi. Jiaying Xian ist wie aus dem Ei gepellt. Die 19-Jährige findet das hier alles "fun". Eine neue Industrie, das wollte sie mal ausprobieren. Höchst konzentriert ist sie über einen Block mit Zahlenkolonnen gebeugt. Kopfrechnen. Bei einem Gewinnsatz von 1,5 kann das für manche schon eine Herausforderung sein. Eddie Goh (38) breitet gekonnt das Kartenspiel im Halbrund aus. "Der hat Talent", raunt Cusi.

Für alle gilt "Übung, Übung, Übung". Irgendwann sitzen die Rechnerei und die Handgriffe wie im Schlaf. Jetons und Kartenspiele für zu Hause gehören zum Unterrichtsmaterial, damit am Abend weiter gemischt und sortiert werden kann.

In der Schule müssen Dreier-, Vierer-, Fünferhäufchen, schön im Dreieck und nach Stoppuhr, geformt werden. Auch fürs Kartenmischen gibt es präzise Vorgaben. Kartenspiel aus der Packung nehmen, auf drei verschiedene Arten mischen, einsammeln, ordnen und in den Blackjack-Kasten legen. "Das darf genau zwei Minuten und 50 Sekunden dauern", sagt Sharma.

Was später so elegant und leicht dahingeblättert aussieht, funktioniert nach ganz präzisen Fingervorgaben. Casinos in Asien bilden ihre Croupiers in aller Regel selbst aus, sagt Schuldirektor Ramachandar Siva. Der Personalwechsel sei groß, deshalb würden viele Anfänger schon früh auf ihre Gäste losgelassen. Mit seinen Sechs-Monats-Kursen will er Maßstäbe setzen, für rund 5000 Singapur-Dollar (2500 Euro). "Wir lehren nicht nur das reine Spiel", sagt Rama. "Wir zeigen ihnen zum Beispiel, wie man mit Spielern umgeht, die gerade haushoch verloren haben."

Keine witzig gemeinten Trostsprüche, kein breites Grinsen, wenn das Haus den Reibach macht. "Sich niemals über einen Pechvogel lustig machen, auch nicht nach der Arbeit, oft kommt das irgendwie bei dem Spieler wieder an", warnt Rama.

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