Sparbüchse für Sparfüchse
2010-03-08T08:25:00+0100Beide Hybrid-Autos sind sich zum Verwechseln ähnlich. Was die Sache spannend macht: Hondas Insight basiert auf einem anderen Hybridkonzept als Toyotas Prius.
Als Honda mit seinem ausschließlich als Hybrid konzipierten Mittelklässler 2009 in die Spur ging, hatte Toyota mit dem Prius bereits vieljährigen Vorsprung gewonnen. In der Autobranche ist es aber nicht unbedingt so wie in der Politik, dass – bekannter Spruch – denjenigen, der zu spät kommt, das Leben bestraft. Honda blieb dem Frühstarter auf den Fersen, während sich andere Marken, auch namhafte, mit der Verfolgung erstaunlich viel Zeit ließen, ja mehrheitlich noch immer lassen.
In Kenntnis dessen, was Toyotas Prius kann, machten wir jetzt zwei Wochen mit Hondas Insight Bekanntschaft. Dass die beiden Autos zum Verwechseln ähnlich sind, ist kein Zufall. Auch Hondas Brennstoffzellen-Fahrzeug FCX Clarity hat auffällig verwandte Konturen.
Was die Sache spannend macht: Hondas Insight basiert auf einem anderen Hybridkonzept als Toyotas Prius. Der eine – Insight – gilt als "milder Hybrid", der andere – Prius – als Vollhybrid, was heißt: Bei Hondas System (Integrated Motor Assist) dient ein Elektromotor mit bescheidener Leistung von 10 kW (14 PS) der Unterstützung des 1,3-Liter-Vierzylinders. Beim Toyota der dritten Generation legt nun ein 1,8-Liter-Verbrennungsmotor (bislang 1,5 l) mit 99 PS vor, der Elektromotor aber bringt zusätzlich 60 kW (82 PS) ins Fahrgeschäft ein.
Schon der vergleichsweise magere Elektro-Zuschlag bei Hondas Hybrid lässt erkennen, dass gelegentlicher alleiniger Elektro-Vortrieb nicht das Ziel war. Gewollt ist, dass der Elektromotor zunächst den Verbrennungsmotor beim Anfahren und in Beschleunigungsphasen unterstützt. Das tut er auch, etwa bei Ampelstarts. Aber er lässt Sparfüchsen die Wahl, weniger temperamentvoll, dafür aber im speziellen Eco-Modus mit geringstem Kraftstoffverbrauch unterwegs zu sein.
Zielgerichtet "manipuliert" dann der Eco Assistent das Zusammenspiel der einzelnen Elemente des Systems, dessen Basis selbstverständlich zuerst Verbrennungsmotor und CVT-Getriebe sind, zwischen denen der Elektromotor platziert ist, der zwischendurch auch als Generator fungiert. In die Sparbemühungen integriert werden die Rückgewinnung der Bremsenergie, die Start-Stopp-Einrichtung, die Steuerung der Klimaanlage.
Bei wiederholten Stadtfahrten arbeitete sich die Verbrauchsanzeige unseres Testwagens im günstigsten Fall mit 5,2 Liter pro 100 Kilometern an beworbene Vier vor dem Komma heran. Mehr Sparsamkeit brachte der Eco Assist im Großstadtverkehr nicht zustande. Wohl schon allein deshalb nicht, weil die Start-Stopp-Automatik den Motor mit Rücksicht auf die Wagenheizung immer nur kurzzeitig abschaltet.
Temporeicher Einsatz auf der Autobahn über längere Distanzen bei anhaltend hohem Tempo um 130 Kilometern pro Stunde fordert die 88 PS des Verbrennungsmotors, unterdrückt offenbar aber die angeborene Spartugend des Insight nicht. Gut 500 Kilometer weitgehend freie Autobahn, zügig bewältigt, ließen den Durchschnittsverbrauch über die 6-Liter-Marke klettern. Im oberen Geschwindigkeitsbereich Tempo zuzulegen, noch dazu an spürbarer Steigung, macht dem Motor im Verbund mit dem CVT-Getriebe offensichtlich Mühe. Das zähe Ringen um mehr Tempo empfinden die Ohren nicht als Sinfonie. Ist die gewollte höhere Geschwindigkeit erst einmal erreicht, bleibt die Antriebseinheit akustisch zurückhaltend.
Der fünfsitzige Insight bietet Vornsitzenden ausreichend Platz, auf der Rückbank wird es für mehr als 1,80 Meter große Naturen eng. Zwar gibt es zahlreich im Auto verteilten praktischen Ablagen, jedoch wenig Platz für die Mitfahrer.
Und wie fährt sich ein Insight, der schließlich "Einsicht" vermitteln will? Vom ersten Meter an erweist sich der Umgang mit Hondas Hybrid als völlig problemlos. Auch für den, der vielleicht erst einmal das Kupplungspedal vermissen sollte. Das Fahrwerk macht seine Sache recht ordentlich, solange Straßen keine Buckel haben und nicht löchrig sind.
Schlechte Manieren kennt der Insight nicht, und obendrein macht er eine gute Figur. Wird das Auto flott bewegt, drängt es in engen Kehren andeutungsweise nach außen. Fronttriebler! Sein eher besinnlicher Charakter verführt aber von vornherein nicht dazu, sich unter die Kurvenräuber zu begeben. Selbst wenn – der ESP-Helfer ist an Bord.
Wer zu denjenigen mit erklärtem Sparwillen zählt, kommt bei der Wahl seines Autos am Insight nicht vorbei. Motorisch ist er ganz Honda. Der Vierzylinder muss zwar mit seiner Kraft haushalten, weiß aber mit Laufkultur zu imponieren. Und: In Gestalt des Hybridsystems gibt es einen sympathischen Zuschlag, der in die Zeit passt.

