Einer, der gern die Physik herausfordert
Köln Zur Gilde der Alleskönner, die sich im Gelände gern mit der Physik anlegen, gehört der Nissan X-Trail. Hier der Test-Bericht.
Schon der knuffige, stattlich-erhabene Karosserieaufbau flößt Respekt ein. Hier zeigt sich einer bereit, durch dick und dünn zu gehen. Grenzen, die natürlich auch ein X-Trail hat, wird derjenige, der sich mit ihm ins Gelände wagt, wohl gar nicht erfahren. Denn den Piloten verlässt vermutlich vorher der Mut, etwa bei der Bewältigung krasser Böschungswinkel. Standfestigkeit und Traktionsreserven werden noch gegenwärtig sein, wenn der Pilot vorsichtshalber aufgibt.
Den Vortrieb beim X-Trail 2.0 dCi (Testwagen) über alle vier Räder oder nach einfacher Knopfdrehung nur über die Vorderräder besorgt ein Vierzylinder-Common-Rail-Turbodiesel. 320 Newtonmeter kommen als maximales Drehmoment zustande. Das Angebot erlaubt, in der Ebene auch schon mal bei Drehzahlen nahe 1000 U/min den sechsten Gang zu wählen. Der Gangwechsel, zu dem bei unpassender Drehzahl aufgefordert wird, vollzieht sich flüssig. Auf dem Weg vom zweiten zum dritten Gang lässt sich der Schalthebel allerdings ganz gern ein bisschen von der Fahrerhand führen.
Der Turbodiesel-Treibsatz läuft gesittet. Eigentlich kommt der Wunsch nach mehr Leistung nicht auf, wenn verinnerlicht wird, dass man in keinem Sportwagen sitzt, sondern in einem echten Geländegänger.
Während sich im großvolumigen Fahrgastgehäuse, das wie ein Resonanzkörper wirkt, die Rollgeräusche der winterbereiften Räder und der Allradantrieb mit deutlichem Rauschen abbilden, ist vom Turbodiesel auch bei höherem Tempo kaum etwas zuhören.
Das Fahrwerk wurde darauf ausgerichtet, selbst Buckelpisten so weit „einzuebnen“, dass deren Gemeinheit nur abgeschwächt bis zu den Insassen durchschlägt.
Alles aber hat ja leider eine Kehrseite. Das „weiche“ Fahrwerk und der hohe Karosserieaufbau machen den X-Trail nicht zum Kurvenkönig. Angenehm reisen lässt es sich mit einem X-Trail allemal, vor allem dann, wenn – wie beim Testwagen in der höchsten Ausstattungsstufe LE – auf komfortablen Ledersitzen Platz genommen werden kann.
Im Fond werden nur Mitfahrer mit einem Körpermaß unter 1,80 Metern glücklich. Offenbar gehen dem Höhenmaß ein paar Zentimeter durch das elektrische Glas-Schiebedach und das Sonnenrollo verloren.
Das Cockpit legt es nicht darauf an, mit sachlicher Schlichtheit in helle Begeisterung zu versetzen. Doch beim X-Trail wird der Beweis angetreten, wie sich auch mit Kunststoffmaterialien im Bereich des Armaturenträgers und der Türverkleidungen ein durchaus ansprechender Gesamteindruck erreichen lässt. Passend zu den Ledersitzen gibt es natürlich ein Lederlenkrad mit den allgemein üblichen Tasten zur Steuerung von Bordcomputer, Radio, Telefon und Tempomat.
Während sich die Hauptschaltzentrale im Cockpit übersichtlich dem Fahrer präsentiert, ließ sich vom Navigations- und Audio-/Video-System des Testwagens nicht per Handstreich Besitz ergreifen. Die Menüführung für Fahrziel, Telefon oder den Bedienbildschirm fürs Audio-/Video-System scheint verschlungene Wege zu gehen und bedarf des Trainings. Aber dafür klappt es auf Anhieb, mit dem X-Trail klarzukommen – der Beginn einer Freundschaft, die, wie eingangs erwähnt, durch dick und dünn geht. (ar)
Die Daten: Nissan X-Trail 2.0 dCi
Länge/Breite/Höhe 463/179/169 cm
Motor 4-Zyl.-Turbodiesel, 1995 ccm
Leistung 150 PS/110 kW
Beschl. 0-100 km/h 11,2 Sek.
Höchstgeschwindigkeit 190 km/h
CO2-Wert 168 g/km
Testverbrauch 6,4 l/100 km (kombiniert)
Leergewicht/Zuladung 1680/490 kg
Basispreis 30 350 Euro

