Mehr Puste für den Wüstenwind

Wolfsburg  Die R-GmbH hat Volkswagens Sport-Coupé Scirocco nun wahres Porsche-Temperament verpasst.

Das „R“ am Bug des VW-Scirocco ist das Kennzeichen für außergewöhnliche Ausstattung und Leistung.

Foto: Volkswagen

Das „R“ am Bug des VW-Scirocco ist das Kennzeichen für außergewöhnliche Ausstattung und Leistung. Foto: Volkswagen

Autos mit reizvollen Formen? Nur selten gibt es heutzutage noch eine Karosserie, nach der man sich zweimal umsieht. Das hat mehrere Gründe. Aerodynamik ist als Helfer für die Verbrauchsreduzierung wichtiger als je zuvor, so dass viele Fahrzeuge sich gleichen wie ein Ei dem anderen. Langweilig also. Auch gesetzliche Vorschriften engen die Fantasie der Designer stark ein. Die Folge: Es gibt es nur noch wenige außergewöhnlich gestylte Modelle. Eines davon ist der VW-Scirocco. Er besticht – subjektiv betrachtet – durch eine überaus rassige Form. Hochgradig sportlich. Früher hätte man gesagt „italienisch“. Das ist übrigens gar nicht so weit hergeholt. Denn der Entwurf stammt von Walter de Silva, der einige attraktive Autos geschaffen hat, aber insgesamt gesehen das Design bei den Marken des VW-Konzerns nicht nachhaltig hat prägen können. Glücklicherweise steht eine jüngere Garde von Talenten bereit. Klaus Bischoff (VW), Michael Mauer (Porsche), Marc Lichte (Audi).

Vitamin „R“ aus Warmenau

Zurück zum Scirocco. Das zweitürige und viersitzige Coupé erhielt vor einigen Monaten ein Facelifting und für die Spitzenversion vom Typ „R“ gab es eine Kraftspritze. Satte 280 PS/206 kW hat der jetzt unter der Haube. Insgesamt haben Scirocco-Kunden die Wahl zwischen vier Benzinmotoren und zwei Dieseln (ab 24 000 Euro). Doch der Scirocco-Absatz sinkt in Deutschland. Deshalb versucht VW, kräftig dagegen zu steuern. Mit Vitamin „R“ (wie Rallye oder Racing). Den Namen R-GmbH trägt diese VW-Tochter seit 2010, nachdem die Spezialistentruppe zuvor VW-Individual hieß. Die R-GmbH in Warmenau mit ihren fast 400 Mitarbeitern unter der Führung von Ulrich Richter ist ein Dienstleister für Kunden, die etwas Besonderes wünschen. Individualität nämlich. Beim Design, bei der Technik, bei der Ausstattung. Alu, Leder, Leistung, Hightech jeglicher Art – das liefert die R-GmbH für diverse VW-Modelle (z. B. Golf). Der normale Scirocco ist zwar ein Nischenprodukt, aber die Sciroccos mit dem „R“ am Bug sind eigentlich echte Raritäten; exklusiver und temperamentvoller sogar als ein Porsche Boxster. Nur ihr Image ist blass. Wer Sportwagen jedoch schätzt, wird im Scirocco nichts vermissen. Er ist ein Auto, das auch auf der Rennstrecke Spaß bescheren kann. Seit Jahren zeigt dieses VW-Coupé beim heiß umkämpften Scirocco-Cup im Rahmen der DTM, wie ausgeprägt seine Renn-Gene sind.

1974 kam der allererste Scirocco

VW SCIROCCO R

Länge/Breite/Höhe425/182/140 cm

Motor4-Zyl.-Benziner, Turbo, 1984 ccm

Leistung280 PS/206 kW

Beschl. 0-100 km/h5,7 Sek.

Höchstgeschwindigkeit 250 km/h

CO2-Wert (Norm)185 g/km

Normverbrauch8,0 l/100 km (Super)

Leergewicht/Zuladung1425/380 kg

Basispreis 36 200 Euro

Der erste Scirocco (benannt nach einem heißen Wüstenwind aus der Sahara) hatte 1974 Premiere. Ein Produkt jener Krise also, die VW nach dem allzu langen Käfer-Zeitalter fast in den Ruin gezogen hätte. Damals konnte sich VW nur deshalb retten, weil in kürzester Zeit ein erfolgreiches Modell nach dem anderen den Markt eroberte. Was für ein Glück. Am wichtigsten war der neue Golf von 1974. Aber auch Passat und Polo (beide von Audi entliehen und mit VW-Emblemen versehen) sowie der Scirocco (Debüt 1974) kamen zur richtigen Zeit, um den Wolfsburger Konzern zu retten. Giorgio Giugiaro hatte den ersten Scirocco entworfen. Das Coupé galt als Nachfolger vom inzwischen legendären Karmann Ghia. Der VW-Vorstand beurteilte die Absatzchancen damals skeptisch und überließ Karmann in Osnabrück die komplette Entwicklung. Aber der Scirocco machte seinen Weg. Zwischen 1974 und 1992 wurden 800 000 Exemplare verkauft. Dann war Schluss mit der Produktion und erst 2008 erlebte der Scirocco seine Renaissance. Ein Bestseller ist er nicht geworden, obwohl seine Qualitäten unbestritten sind. Er ist dynamisch, hochwertig, erschwinglich – nur eben kein Statussymbol. Und so etwas ist vielen Leuten ja wichtig.

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