Mit dem Auto in der Stadt von morgen

Braunschweig  Vor zwei Jahre schuf Audi die Urban Future Initiative. Sie soll „Denkfabrik“ für die Stadt der Zukunft sein.

Das alltägliche Verkehrs-Chaos in Peking: Smog in übelster Dichte, Autoschlangen ohne Ende, Staus auf allen Straßen und keine Parkplätze.

Foto: dpa

Das alltägliche Verkehrs-Chaos in Peking: Smog in übelster Dichte, Autoschlangen ohne Ende, Staus auf allen Straßen und keine Parkplätze. Foto: dpa

Istanbul liegt nur etwa zwei Flugstunden von Deutschland entfernt. Aber was nützt die Freude über diesen kurzen Trip, wenn man anschließend für die 20 Kilometer vom Flughafen zum Hotel zweieinhalb Stunden im Taxi verbringt. Die Metropole am Bosporus mit ihren 15 Millionen Einwohnern erstickt am Autoverkehr. Genau wie Mumbai, Sao Paulo, Peking, Tokio, London oder Los Angeles. Die Probleme ähneln sich: Staus, Parkplatznot, Luftverschmutzung, Ressourcenvergeudung, Lärm und verminderte Lebensqualität. Es ist ungewöhnlich, dass sich nun ausgerechnet ein Automobil-Unternehmen kritisch und kreativ mit den Problemen auseinandersetzt, die weltweit durch die Motorisierung entstanden sind. Audi wagt das.

Vorsprung durch Wissen

Audi-Chef Rupert Stadler betont: „Wir sehen die großen Herausforderungen der Zukunft und stellen uns ihnen. Dabei überschreiten wir bewusst Grenzen und wollen Brücken bauen, indem wir uns mit Architekten, Stadtplanern, Zukunftsforschern, Soziologen austauschen.“

Um 1800 gab es nur drei Millionenstädte auf der Welt. London, Peking, Tokio. Heute sind es 442. 2030 werden 70 Prozent der Erdbevölkerung in Megacitys leben. Tröstlich ist: Unser Wissen verdoppelt sich alle 12 Jahre. Welche Dynamik! Deshalb wird es immer wichtiger, sich zu vernetzen, das Wissen zu teilen.

Vor diesem Hintergrund stützt Audi eine Initiative mit dem Namen „Urban Future“ (Zukunft in der Stadt) und vergibt regelmäßig den mit 100 000 Euro dotierten „Urban Future Award“. 2010, bei der Premiere, nutzte man als Bühne die Architektur-Biennale in Venedig, diesmal die Design-Biennale in Istanbul.

Sieger wurde das Architekturbüro Höweler + Yoon aus Boston/USA vor Teams aus Mumbai, Sao Paulo, Istanbul und dem Perl-Fluss-Delta in China. Höweler + Yoon hoffen – wie alle Bewerber – natürlich auf die Elektromobilität, wobei der Strom überwiegend aus der Atomkraft kommen soll. Aber wichtiger als dies Credo sind städtebauliche Impulse. Der amerikanische Traum – eigenes Haus, eigenes Auto – hat in „Bowash“, dem Großraum von Boston bis Washington mit 53 Millionen Einwohnern, inzwischen zu katastrophaler Zersiedelung und einem ineffektiven Verkehrsnetz geführt. So schlagen Höweler + Yoon, in Kurzform gesagt, ein ausgeklügeltes System gemeinsamer Nutzung von Eigentum vor. Außerdem soll eine Megastruktur den individuellen und öffentlichen Verkehr lenken.

Veränderte Mobilität

Die Ideenvielfalt aus dem „Future-Labor“ ist enorm. Der Bogen reicht von Riesen-Transportbändern (wie auf Airports) und fahrerlosem Verkehr über dreidimensionale Verkehrskorridore und mehr Grün in den Citys bis hin neuen Arten von Fahrrädern und zur Veränderung der individuellen Einstellung der Menschen zum Ökoauto. Wie auch immer: Audi treibt den Dialog über die Mobilität der Zukunft voran.

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