Vom Charme der Karossen von einst

Bensberg  Schloss-Bensberg-Classics mit Concours, Rallye und Shows – ein neuer Glanzpunkt in der Oldtimer-Szene.

Welch ein Wandel. Vor drei Jahrzehnten wurde die Oldtimer-Euphorie noch als Hobby von ein paar Gestrigen belächelt. Heute pflegt jeder Konzern sorgsam seine Tradition, und es drängeln sich allein in der Bundesrepublik über 300 Termine für historische Fahrzeuge. Zu einem Top-Ereignis hat sich seit 2009 mit Unterstützung von VW Schloss Bensberg Classics entwickelt.

Für zwei Tage verwandelte sich das Areal von Schloss Bensberg, östlich von Köln, in eine Welt fröhlicher, durchweg älterer Knaben. Die meisten sind silberhaarige Männer, die es im Leben zu einigem Wohlstand gebracht haben. Bei Concours d’Elegance, also Schönheitswettbewerben, präsentieren sie ihr Spielzeug. Nämlich historische Autos, deren Preise sich nicht selten in Millionenhöhen schrauben.

„Best of Show“: Ein Ferrari

Doch das allein genügt nicht als Attraktion. Es ist – verbunden mit reizvollem Ambiente und Spitzengastronomie – die Mischung, die den Besucher lockt. Bensberg 2012 glänzte mit einem hochklassigen Concours d‘Elegance am Sonntag und bot am Sonnabend eine Rallye mit 100 rollenden Raritäten. Außerdem gab es eine Sonderschau der erfolgreichsten Rallye-Fahrzeuge (vom 1976er Lancia Stratos bis zum VW Polo WRC, der 2013 um die Weltmeisterschaft kämpfen soll) und eine Präsentation jener Porsche-Rennwagen, die die Stuttgarter Marke zwischen 1963 und 1972 – in der Ära des jungen Ferdinand Piëch – in die oberste Liga des Rennsports katapultierten. Prunkstück: Der 917, Siegerwagen 1970 in Le Mans. Auch Rennfahrer jener Epoche wie Hans Herrmann oder der Braunschweiger Kurt Ahrens waren dabei, ließen sich ablichten oder ausfragen.

Den bunten Mix bereicherte viel Prominenz. Der Bogen reichte von Ex-Fußballstar Günter Netzer und Schalke-Torjäger Klaus Fischer über Renn-As Stuck bis hin zum Komponisten Leslie Mandoki und Schauspielern wie Jürgen Prochnow, Herbert Knaup und Erol Sander.

Die Oldie-Besitzer selbst? Viele meiden die öffentliche Darstellung. Man weiß: Solch eine Kostbarkeit auf Rädern kann Millionen kosten. Das will mancher nicht unbedingt nach außen tragen. Andererseits ist gerade jetzt – in Zeiten der Finanzkrise – die Nachfrage nach Motorpreziosen unglaublich groß.

40 Raritäten buhlten um den Titel „Best of Show“. Was gab es da nicht zu bestaunen: Mercedes-Benz 680 S von 1928, Bugatti 57 Graber-Cabrio von 1938, Opel-Admiral-Cabrio, Alfa Romeo 8C 2600 Monza, Talbot-Lago T26 Grand Sport, Mercedes 300 SL, Maserati 3500 GT-Spyder, Ferrari 250 GTO und, und, und.

Den Sieg vergab die Jury (unter anderem mit Jacky Ickx, ) an einen makellosen knallroten Ferrari Dino-Rennwagen 166/P 206 von 1965.

Schloss Bensberg Classics, veranstaltet von Hotelier Thomas Althoff und unterstützt von VW, ist auf gutem Weg, eine Tradition zu begründen. Kurfürst Jan Wellems ehemaliges Jagdschloss, heute ein Grandhotel mit Sterneküche, bietet nicht nur eine noble Bühne, sondern mit dem Bergischen Land auch ein reizvolles Rallye-Revier. Sicherlich: Seit vielen Jahren setzt der Concorso d’Eleganza am Comer See Maßstäbe in Europa. Aber auch dies ist wahr: Bensberg macht Fortschritte auf dem Weg zum „deutschen Como“.

Blick in die Vergangenheit

Solche Schönheitskonkurrenzen, die nun wieder Mode sind, gab es vor Jahrzehnten vielerorts. In Baden-Baden, Wiesbaden, Bad Homburg, Bad Harzburg. Die Defilees genossen gesellschaftlichen Rang, boten parallel dazu sportliche Aktivitäten wie Rallyes, und sie galten vor allem als Wettstreit eigenwilliger Karosserien und ihrer Designer. All das ist nun wieder gefragt.

André Malraux schrieb einmal: „Wer Künftiges gestalten will, der muss in der Vergangenheit blättern.“ Das gilt auch für Autos. Deren Historie prägt das aktuelle Marken-Image ganz entscheidend mit.

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