Blaues Wunder

Auto der Woche: Mit dem Mégane Grandtour GT zielt Renault direkt auf die sportliche Nische im Kombi-Segment.

Der Renault Megané Grandtour GT hat fast coupéhafte Züge.   

Foto: Renault

Der Renault Megané Grandtour GT hat fast coupéhafte Züge.    Foto: Renault

Das Konzept hat etwas Besonderes. Ein Kombi ist gewöhnlich nicht darauf aus, mit ausgeprägt sportlichem Temperament zu imponieren. Renault stellte mit dem Megané Grandtour GT ein Gefährt auf die Räder, das Wolf im Schafspelz sein will.

Chic ist er, der GT. Er kommt gestreckt mit niedriger Dachlinie daher, hat dank der ansteigenden Fensterlinie und der geneigten Heckscheibe fast coupéhafte Züge. Die chromblitzenden zierlichen Lettern "GT" an Bug und Heck, dort noch mit dem Zusatz "Renault Sport", sind verhaltener Ausweis für Charakterzüge, die man von einem Kombi eher nicht erwartet: reichlich Power und ein Fahrwerk, das in der Lage ist, üppiges Temperament so auf die Straße zu bringen, dass der GT auch Kurven in temporeichem Stil sicher kriegt.

Apropos Fahrwerk: Das Sportfahrwerk wirkt beim ersten Kontakt knochig. Leute, die nicht mögen, dass Fahrbahnqualitäten dritter oder vierter Ordnung andeutungsweise bis zum Allerwertesten durchdringen, sollten kein Auge auf Renaults Megané Grandtour GT werfen.

Fahraktive Piloten und deren Mitfahrer aber, denen es genügt, ab und zu zu Hause auf einem weichen Sofa zu sitzen, schätzen das straffe GT-Fahrwerk, das das versammelte motorische Temperament auskosten lässt. Sportlich ambitionierten Fahrern macht Renaults Megané Grandtour GT ungetrübten Spaß.

Zuerst bestimmt den Spaßfaktor, was unter der Fronthaube steckt: ein Zweiliter-Vierzylinder, dem sich willig 180 PS (132 kW) und 300 Newtonmeter Drehmoment abgewinnen lassen. Beteiligt an der stattlichen Ausbeute ist ein sogenannter Twin-Scroll-Turbo, der über die beiden Abgaskanäle des Motors (jeweils einer für zwei Zylinder) aktiviert wird. Die kaum erwartete spontane Kraftentfaltung ist so beeindruckend, dass beim Piloten sofort der Sympathiezeiger ausschlägt.

Vergessen macht das imposante Sprintverhalten, dass es sich um einen 1,4 Tonnen schweren Kombi handelt: in 7,8 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100! Echter Blitzstart, kein lediglich gefühlter. Mit Tempo 225 Höchstgeschwindigkeit gibt sich der GT am Ende zufrieden.

Es geht zügig voran mit diesem Auto, sehr zügig. Der GT zeigt Muskeln. Im sechsten Gang legt er aus eher bescheidenen Geschwindigkeiten heraus spürbar an Tempo zu, ohne auch nur im Ansatz motorische Trägheit zu zeigen, die zum Runterschalten nötigte. Abfinden müssen sich Tempojäger damit, dass der GT in Benzinermanier ziemlich rücksichtslos über den Tankinhalt herfällt. Im Falle des Testwagens schwankte der Durchschnittsverbrauch bei tempobetonter Autobahnfahrt zwischen 9,3 und 11,2 Liter Super.

Zu einem Fahrbericht gehören ehrliche Bekenntnisse. Gelegentlich stellte sich das Gefühl ein, dass sich die motorische Kraftentfaltung von 180 PS an der Grenze dessen bewegt, was der Fronttriebler auf die Straße bringen kann. Treibt entfesselter Vortrieb, von einem brutalen Gasfuß gefordert, das Auto mit vehementer Kraftentwicklung auf weniger tadelloser Straße nach vorn, kommt solcher Kraftakt als Unruhe im Lenkrad an. Eine elektrische Servolenkung hat der GT natürlich. Sie reagiert je nach Fahrgeschwindigkeit mehr oder weniger direkt.

Kein Auto ist nur zum Fahren da. In dessen solidem Gehäuse sollen sich Insassen möglichst auch wohlfühlen. Von einem Kombi erwartet man, dass er artgerecht praktisch ist. Der GT wirbt mit ordentlichem Raumangebot um die Insassen herum, sein langer Radstand (2,70 Meter) sorgt für Platzgewinn einschließlich erfreulicher Kniefreiheit auch für Fondpassagiere. Fahrer und Beifahrer fühlen sich in ihren Sportsitzen mit spürbarem Seitenhalt in Sitzfläche und Lehne wohl.

Es gibt Frontairbags, Seitenairbags. Und was das Gepäckraumvolumen des Kombis anbelangt: Aus 405 Litern werden bei Bedarf nach Umklappen der Rücksitze 1162 Liter. An diversen Ablagen ist kein Mangel. Das elektrische Glasschiebedach ergänzt das Panoramadach im Fondbereich.

Bei der Beurteilung des Cockpits tut man sich schwer. Für die Material- und Farbwahl trifft zuerst das Urteil "praktisch" zu. Warum sind die Rundinstrumente in der Blickachse des Fahrers – Tachometer und Drehzahlmesser – völlig unterschiedlich gestaltet worden? Das weiße Zifferblatt des nostalgisch wirkenden Drehzahlmessers bildet allerdings ein geeignetes Umfeld für die grün leuchtende Schaltpunktempfehlung.

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