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Wenn verstrahlte Ursuppe schwappt

Bundesamt für Strahlenschutz erläutert die Vor- und Nachteile der Asse-Schließungsvarianten

Michael Ahlers

"In der Studie wird die bergtechnische und strahlenschutztechnische Machbarkeit der Einzelvorgänge der Rückholung festgestellt. Diese ausgewählten technischen Vorgänge sind im Bergbau vielfach erprobt und angewendet."

Was sich am 2. Oktober 2009 beim Vorstellen der Studien zu den Asse-Schließungsvarianten Verfüllen, Umlagern oder Rausholen seitens der Gutachter reichlich optimistisch las, relativierte der Präsident des Bundesamtes für Strahlenschutz, Wolfram König, gestern allein schon durch seinen Hinweis, dass ein Herausholen von rund 126 000 Fässern mit Atommüll aus einem Bergwerk weltweit eine Premiere wäre. Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU), dem das Bundesamt unterstellt ist, hatte zuvor die Rückholung ausdrücklich an Bedingungen geknüpft.

Vor- und Nachteile der Varianten erläuterte König gestern noch einmal mittels einer Video-Animation, als das Bundesamt die Ergebnisse des "Optionenvergleichs" vorstellte. Das Umlagern des Mülls in tiefere Schichten würde lange dauern, die Eignung jener tieferen Schicht sei noch gar nicht klar, hieß es. Und: Faktisch und juristisch würde ein neues Endlager geschaffen. Damit belegte die Variante nur den Platz 3.

Die Vollverfüllung der Asse mitsamt dem Atommüll, wie sie auch der abgelöste Betreiber Helmholtz-Zentrum München geplant hatte, würde zwar am schnellsten gehen. Helmholtz hatte angesichts der Einsturzgefahr des Bergwerks zudem keinen anderen Weg gesehen.

"Gegen die Vollverfüllung spricht, dass für diese Schließungsvariante derzeit nicht gesagt werden kann, ob ein Langzeitsicherheitsnachweis gelingt" , heißt es nun in einer BfS-Erklärung. Ohne diesen Nachweis aber gibt es keine Genehmigung zum Schließen. Niedersachsens Behörden aber hatten schon das Helmholtz-Konzept der "Flutung" zurückgewiesen. Zwar gäbe es mit dem BfS jetzt einen professionellen Antragsteller, doch am Grundproblem ändert das nichts. Der Atommüll bliebe in maroden Fässern in der Asse, über Flüssigkeit ("Schutzfluid") könnte ein Transport von Radionukliden in die Biosphäre erfolgen.

Bleibt also das Herausholen, doch auch dabei gibt es erhebliche Unsicherheiten. "Wir haben nur unzureichende Kenntnisse über das tatsächlich eingelagerte Inventar und den Zustand der Behälter und Gebinde", so König. Die Dokumentationsanforderungen waren seinrzeit vergleichsweise gering, Anlieferer ließen strahlende Abfälle so ummanteln, dass an der Oberfläche gemessen der zulässige Grenzwert eingehalten wurde. Fässer wurden anfangs noch in den Kammern unter Tage gestapelt, später aber in "Versturztechnik" abgekippt. Als "technische Barriere" zum Schutz vor Strahlung waren die Fässer nie gedacht, ihr langsames Vergammeln aus Sicht der Verantwortlichen daher ohne Belang. Den Schutz sollte schließlich die Geologie bieten. "Eine Kammer ist heute noch zugänglich, eine weitere wurde erst unter der Regie des BfS geschlossen", sagt Asse-Kritiker Udo Dettmann. Der Großteil der Kammern aber sei über Jahrzehnte verschlossen, so Dettmann. 13 Kammern gibt es, in einer lagern die mittelaktiven Abfälle

Wenn nun Experten Kammern öffnen, um Fässer zu bergen und zunächst die Radioaktivität an der Außenwand zu messen, könnte ihnen im schlimmsten Fall eine Art verstrahlte Ursuppe entgegenschwappen. Nicht jedes Fass soll geöffnet werden, zum Beispiel dann, wenn in einer Liefergruppe Stichproben keinen Anlass zur Sorge liefern. Das Öffnen von Kammern vor der endgültigen Entscheidung zur Rückholung ist bereits eine Art Testlauf: Gesondert ausgewiesene Kontrollbereiche, externe Belüftung und Filtersysteme müssen schon mal eingerichtet werden. Das Zwischenlagern und Konditionieren der Abfälle, wohl für die Einlagerung im Schacht Konrad, wäre ein weiterer Kraftakt.

All das kann aber nur gelingen, wenn nicht drastisch erhöhte Laugenzutritte und die bedrohte Stabilität der Grube einen Strich durch die Vorzugs-Variante machen. Dann kämen die Anhänger der Vollverfüllung doch noch zum Zuge – und die gibt es auch beim Bund.

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Veröffentlicht: 15.01.2010 - 22:25 Uhr
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