Schüler lernen, Gefühle durch Mimik und Körperhaltung auszudrücken
2010-05-13T22:00:00+0200An der Realschule Schöningen ist für Lehrerin Anette Bossert die Theaterarbeit eine Traumstunde
SCHÖNINGEN. Eine Traumstunde können zum Schultest-Ende Lehrer im Kreis Helmstedt geben. "Lasst Euch auf die Musik ein", appelliert Anette Bossert an ihre Schüler. Sie haben die Aufgabe, verschiedene Sportarten in Zeitlupe entsprechend der Musik zu imitieren.
In Zweiergruppen sollen die Mädchen und Jungen die Aufgabe meistern. Manche Schüler und Schülerinnen schaffen es, den imaginären Tennisschläger langsam durchzuziehen. Anderen fällt es schwer, ihre Bewegungen unter Kontrolle zu halten.
Die vermeintlichen Boxschläge kommen beängstigend schnell. Aber sie stoppen doch immer rechtzeitig vor dem Gegner, der hier Klassenkamerad und Partner ist. Es ist Mittwochvormittag, 10.30 Uhr, Deutschunterricht der Klasse 8 a der Realschule in Schöningen.
Theater wird immer wieder in den Unterricht eingebaut
"Unser Oberthema ist im Moment Krimi", erläutert Anette Bossert den Hintergrund ihrer Traumstunde. "Wir sind gut mit dem Stoff durchgekommen, so dass jetzt fünf Unterrichtsstunden Zeit für Theaterarbeit bleibt", verkündet die Pädagogin mit Begeisterung. Die Deutschlehrerin hat eine Zusatzausbildung für darstellendes Spiel erworben. Mit dieser Qualifikation bietet sie das Wahlpflichtfach "Theater" für die 10. Klassen an. Sie baut aber Theater auch immer wieder in ihren Unterricht ein. "Damit erreicht man Kopf, Herz und Verstand der Schüler gleichermaßen", weiß die Pädagogin aus Erfahrung.
Für Anette Bossert gehören diese Theaterstunden zu den Traumstunden – für sie und für ihre Schüler. "Schüler haben Spaß und ich kann sie gleichzeitig dabei fördern", erläutert sie ihr pädagogisches Konzept. Bossert zählt eine lange Liste mit Lernvorteilen dieser Methode auf: Schüler trainieren Disziplin und Teamfähigkeit. Ihre Wahrnehmung wird geschult, sie lernen Verantwortung zu übernehmen und sie steigern ihr Selbstbewusstsein. Dass seien laut Bossert alles wichtige Fähigkeiten, die sie im normalen Unterricht und im späteren Leben auch brauchen.
"Leider habe ich viel zu wenig Zeit, meine Schüler auf diese Art zu begeistern und zu fördern, denn der Unterrichtsstoff muss geschafft werden", gibt die Lehrerin zu Bedenken.
Aber jetzt können die Acht-Klässler erst einmal üben, Gefühle wie Angst, Wut, Trauer und Freude allein durch Mimik und Körperhaltung auszudrücken. Sie bilden in Gruppen ein Standbild zu den verschiedenen Emotionen. Dabei fällt es den Jugendlichen gar nicht so leicht, bei Trauer nicht zu lachen.
Sequenzen zu einem Krimi zusammenfügen
Ziel der fünf Theaterstunden mit Anette Bossert ist es, dass die jungen Hobby-Schauspieler in den verschiedenen Kleingruppen kurze improvisierte Sequenzen entwickeln, die dann zu einem eigenen Krimi zusammengefügt werden sollen. Wie sie dabei als Schauspieler ihre Emotionen zeigen können, haben sie ja während der Traumstunde bereits gelernt.


