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LEITARTIKEL: Strahlkraft

Thomas Stechert

Sicher für ewig entsorgt ist im Asse-Schacht bei Wolfenbüttel nur eins: Steuergeld in Millionenhöhe. Was besorgte Bürger schon vor Jahrzehnten ahnten, was Wissenschaftler wussten, und worauf die Politik lange nicht reagierte, ist heute endlich öffentlich und amtlich – der Schacht erfüllt nicht ein Kriterium für ein Endlager radioaktiver Abfälle. Der Salzstock ist löchrig wie ein Käse, feucht und einsturzgefährdet.

Anders die Lage in Salzgitter: Das Erzlager Konrad ist als Endlager genehmigt. 290 000 Einwendungen und mehrere Klagen sind gescheitert, geblieben aber ist die Furcht der Menschen.

Das Desaster in der Asse sowie die Sicherheitsprobleme in der ebenfalls einsturzgefährdeten Kali- und Steinsalzgrube Morsleben, einst zentrales Atommülllager der DDR vor den Toren Helmstedts, machen deutlich: Die Endlagerfrage ist ungeklärt.

Politische Fahrlässigkeit und trügerische Technikgläubigkeit haben unserer Region letztlich das unrühmliche Prädikat Atomklo der Nation eingebracht. Das stinkt zum Himmel.

Ganz zu schweigen vom Zwischenlager Gorleben, der Antwort Niedersachsens auf die DDR-Kippe Morsleben. Obendrein steht schon das nächste Endlager vor der Tür – Salzwedel, Nachbar von Gifhorn und Wolfsburg, ist als Standort einer Kohlendioxid-Grube im Gespräch.

Und unterdessen wird wieder über eine Laufzeitverlängerung der Kernkraftwerke diskutiert. Die schwedische Entscheidung, wieder auf Atomkraft umzuschalten, weckt Begierden.

Die Lichterkette von Braunschweig über die Asse bis zum Schacht Konrad gestern Abend hat ein anderes Signal ausgestrahlt: Die Menschen akzeptieren diesen Umgang mit der Kernkraft nicht, erst recht nicht, solange es keine sichere Endlagerung der Abfälle gibt. Sie passen auf. Ohne diesen Druck der Menschen würde die marode Asse wohl noch heute als harmloses Forschungsbergwerk geführt.

Auch die Langzeitwirkung der Strahlkraft der Menschenkette sollte die Politik in diesem Wahljahr nicht unterschätzen. Eine sichere Lösung für die Asse wäre am Ende ein Segen – für alle.

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Veröffentlicht: 26.02.2009 - 22:15 Uhr
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