Ländlich, aber doch sehr stadtnah
2004-10-05T00:00:00+0200Familien schätzen ruhige Wohnlage in grüner Umgebung - Gute Gemeinschaft im "geteilten" Dorf
Für Nicht-Leiferder ist der südlichste Stadtteil Braunschweigs leicht gewöhnungsbedürftig. Dreigeteilt ist der Ort und die Bahntrasse die markanteste Trennungslinie. So steht, wer beispielsweise durch die Bahnhofstraße die "Thiedebach-Siedlung" erreichen möchte, plötzlich unerwartet am Ende einer Sackgasse. Zurück heißt es dann und über Schenkendamm und B 248 fahren.
Doch wer nun glaubt, die Menschen der drei Siedlungen Leiferdes hätten deshalb wenig oder nichts miteinander am Hut, sieht sich getäuscht. Die Gemeinschaft, hört man von allen Seiten, funktioniere bestens.
"Total integriert" fühlt sich auch Sybille Böhm mit ihrer Familie. "Wer Kinder hat, lernt rasch Leute kennen", sagt die 38-Jährige. Seit 4 Jahren leben Sybille und Klaus Böhm mit Sohn Lennart (6) im Gebiet Thiedebacher Weg-West. "Unser Sohn Lorenz, der heute knapp 4 ist, war der Erstgeborene hier", berichtet der 49-Jährige. Und: Wenn man dazu gehören möchte, müsse man in einen Verein oder die Feuerwehr eintreten – zu letzterem hat sich der Familienvater entschieden.
Das Grundstück in der Straße Unter der Heyde haben die Böhms vor allem wegen des freien Blicks – zum Thieder Lindenberg und an klaren Tagen bis zum Brocken – gekauft. "Wir leben hier eigentlich auf dem Land, aber doch sehr zentral", betont Sybille Böhm. Bis Salzgitter-Thiede und bis Rüningen sind es gerade 5, bis Stöckheim oder auch Wolfenbüttel 10 Minuten mit dem Auto zu fahren. Ausschlaggebend für die Wahl war zudem, dass Kindergarten und Schule am Ort sind. Dass Leiferde so gut wie keine Einkaufsmöglichkeiten bietet, trifft Familie Böhm wenig: "Wir sind ohnehin jeden Tag unterwegs und kaufen ein, was gerade benötigt wird."
Ein "ganz anderes Leben als in der Stadt" führt Melanie-Heunecke-Disterheft mit ihrem Mann Matthias und den Kindern Lena (7), Charlotte (3) und Leon (1) in Leiferde. "Es ist ruhiger, kinderfreundlicher und warmherziger", erklärt sie. Wegen ihres Mannes zog die 37-Jährige vor Jahren nach Leiferde. Bereut hat sie es offenbar nicht: "Man kann hier wunderbar spazieren gehen, auch mit dem Hund. Das ist eine Freiheit, die ich nicht missen möchte. Und wenn ich will, fahre ich einfach in die Stadt."
Matthias Disterheft ist in Leiferde aufgewachsen, hat bei Landwirt Hans-Heinrich Cramme gelernt und ist heute als Ortsbrandmeister und SPD-Fraktionsvorsitzender im Bezirksrat Stöckheim-Leiferde stark ins Ortsleben eingebunden. "Überall dort, wo Vereine Veranstaltungen planen und das Feuerwehr-Equipment gebraucht wird, bin ich dabei."
Das Ehepaar betont, dass die Versorgung vor allem für die Älteren ohne Auto schwierig sei. "Deshalb ist es prima, dass es den Kiosk von Ursula Käselitz gibt."

