Grenzgänger zwischen Theorie und Praxis
2010-08-30T07:55:00+0200Die Braunschweiger Welfenakademie bildet in Zusammenarbeit mit Unternehmen aus der Region Betriebswirte aus
Es gibt Hochschulabsolventen, die gut mit Zahlen umgehen können, aber wenig Ahnung haben vom Alltag in Unternehmen. Und es gibt Auszubildende, die zwar ihr Unternehmen gut kennen, wissenschaftliches Arbeiten aber nie erlernt haben.
Die Braunschweiger Welfenakademie gibt ihren Absolventen beides mit: Kenntnisse über die Praxis im Unternehmen und das theoretische Rüstzeug für Betriebswirte. "Derzeit arbeiten wir mit 40 Unternehmen zusammen", sagt Geschäftsführer Jens Bölscher.
Und es würden immer mehr. "Dieses Jahr kommen New Yorker und BS Energy dazu, nächstes Jahr dann die Autovision", sagt Bölscher, der schon Dozent war, bevor er 2009 Geschäftsführer wurde.
Gründungsmitglieder der seit 1993 bestehenden Welfenakademie sind vor allem Banken, aber auch Industrie-Unternehmen wie die Salzgitter AG. Der Schwerpunkt ergibt sich aus einer Besonderheit unserer Region, berichtet Bölscher. "Braunschweig ist, gemessen an der Zahl der Beschäftigten, der drittgrößte Banken-Standort Deutschlands."
Als Student bewirbt man sich nicht bei der Akademie direkt, sondern bei einer Firma. 490 Euro monatlich kostet das Studium an der privaten Akademie. "In der Regel teilen sich Unternehmen und Student die Kosten", sagt Bölscher.
Aus Sicht des Unternehmens geht die Rechnung so: Der Student wird bezahlt wie ein normaler Auszubildender, bekommt also zum Beispiel 1000 Euro im Monat. Davon zahlt er monatlich 245 Euro an die Akademie, der Arbeitgeber legt die gleiche Summe drauf. "Ein Student an der Welfenakademie kostet Unternehmen also 245 Euro mehr als ein normaler Azubi", sagt Bölscher. "Dafür haben die Absolventen dann einen staatlich anerkannten Bachelor-Abschluss als Betriebswirt."
In der ersten Hälfte des Studiums verbringen die Studenten etwa gleich viel Zeit in der Akademie und im Unternehmen, danach sind sie zwei Drittel der Zeit im Unternehmen. Bölscher betont: "Es gibt heute bereits viele Welfen in guten Positionen. Die Unternehmen haben ein Interesse, die Absolventen an sich zu binden." Die Absolventen der letzten beiden Jahrgänge hätten ausnahmslos Job-Angebote von ihrem Arbeitgeber erhalten.




