Gefährliche Medizin
2012-01-11T23:51:02+0100Katrin Bölstler über den Skandal um Brustimplantate
Der Skandal um minderwertige Silikon-Brustimplantate, die die französische Firma PIP auch nach Niedersachsen geliefert hat, offenbart eine lange verborgene Problematik: Die Palette der Medizinprodukte ist mittlerweile viel zu komplex, so dass es nicht mehr ausreicht, nach einem einheitlichen Zulassungsverfahren alle Medizinprodukte zu testen.
Egal ob Herzschrittmacher, künstliche Hüfte oder Stetoskop, für alle Medizinprodukte gilt in Deutschland das gleiche Zulassungsverfahren. Die Hersteller müssen lediglich nachweisen, dass ihr Produkt funktioniert. Sie müssen aber nicht beweisen – etwa über langfristige Studien – dass zum Beispiel Implantate dazu geeignet ist, ein Leben lang im Körper zu verbleiben. Amerika hat diese Problematik längst erkannt und prüft höherwertige Medizinprodukte nach einem ähnlich hohen Standard, wie er für Medikamente üblich ist. FDP-Gesundheitsminister Daniel Bahr hält dies jedoch für nicht nötig.
Der Minister sollte in diesem Fall einmal weniger an die Kosten und einmal mehr an die Gesundheit jener denken, die ihm sein Mandat gegeben haben. Langfristig gesehen würde ein sorgfältigeres Prüfsystem sogar Kosten sparen, da es dann nicht, wie jetzt, zu kostspieligen Folgeoperationen kommt, für die weder die Kasse noch der Staat Geld übrig haben.




