Etwa 25 Hektar für Zwischenlager gesucht
Bundesamt braucht Standort für Asse-Atommüll
Vorausgesetzt, der Asse-Müll wird wie versprochen geborgen, steht der Region statt einer atomaren Altlast eine Neu-Last ins Haus: Das Bundesamt für Strahlenschutz sucht einen Standort für ein Zwischenlager.
"Das Konzept der vollständigen Rückholung (...) sieht vor, die unter Tage geborgenen Abfälle, die in Transportbehältern nach über Tage gebracht werden, standortnah zu konditionieren", heißt es im Bericht "Endlager Asse II/Aktueller Stand der Arbeiten zur Stabilisierung und sicheren Schließung" des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS), der unserer Zeitung vorliegt.
Deshalb müsse ein Zwischenlager mit Konditionierungsanlage geplant und errichtet werden, das über entsprechende Kapaziäten verfüge. Erste Schätzungen gingen von einem zurückzuholenden Abfallvolumen von mindestens 100 000 Kubikmetern aus.
Was das für Größe und Auslegung des Zwischenlagers heißt, berechnen derzeit Experten eines Planungsunternehmens für das Bundesamt. "Die Gesamtanlage, einschließlich der Sicherungsanlagen, könnte nach ersten Abschätzungen einen Flächenbedarf von ca. 25 Hektar benötigen", heißt es in obigem BfS-Bericht unter Berufung auf einer ersten Schätzung der Experten. Ein Hektar sind 10 000 Quadratmeter. Zwei bis drei Jahre rechnet das Bundesamt für die Planungen.
Wie genau "standortnah" definiert werden soll, geht aus dem Bericht nicht hervor. "Es ist logisch und klar, größere Entfernungen zu vermeiden", sagt Asse-II-Kritikerin Heike Wiegel, die beim SPD-Parteitag wieder für eine schnelle Lösung des Problems und das Bergen des Mülls gekämpft hat, zur "standortnahen" Konditionierung des Mülls. Die Bevölkerung rund um die Asse wisse am besten, warum das Zwischenlager gebraucht werde. "Dort ist es sicherer als unten, wenn sich alles auflöst", betont Wiegel.
"Das Asse-II-Gelände selbst ist Bergschadensgebiet", sagt Asse-II-Gegner Udo Dettmann – komme also nicht in Frage. Dettmann plädiert dafür, den Landkreis Wolfenbüttel als "weiße Landkarte" zu zeichnen und dann alle Gebiete herauszunehmen, die für das benötigte Zwischenlager nicht in Frage kommen – zum Beispiel wegen drohender Überschwemmungen, naher Wohnbebauung oder ungeeigneter Geologie. "Wir sollten die Anlage möglichst klein halten", sagt Dettmann.
Wohin der Müll nach der Zwischenlagerung kommt, ist für die Asse-Kritiker zudem eine offene Frage. Schacht Konrads Betriebsbeginn verzögere sich ja, sagt Dettmann. Doch das nahe Endlager für schwach- und mittelaktiven Müll, zunächst von der Politik zur neuen Heimstatt des geborgenen Asse-Mülls ausgerufen, gilt bei den Asse-Kritikern ohnehin als ungeeignet. Die Genehmigungen von "Konrad" deckten das, was in der Asse liegt, gar nicht ab.