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"Die Metropolregion lässt uns in Europa an der Spitze mitspielen"

REGION Braunschweigs Oberbürgermeister im Interview über ein Zukunftsthema: Elektromobilität

Braunschweigs Oberbürgermeister Gert Hoffmann übernimmt im kommenden Jahr den Vorsitz des Aufsichtsrates der "Metropolregion Hannover Braunschweig Göttingen Wolfsburg GmbH" als Nachfolger des Hannoveraner Oberbürgermeisters Stephan Weil. Mit Hoffmann sprach Henning Noske.

Heute findet die Metropolversammlung in der Braunschweiger Stadthalle statt. Was ist das wichtigste Thema?

Es geht um Elektromobilität – eines der wichtigsten Zukunftsthemen weltweit. Es ist zugleich eines der stärksten Themen unserer Metropolregion mit Braunschweig, Hannover, Göttingen und Wolfsburg.

Deshalb setzen wir darauf, wollen Projekte daraus entwickeln und auf den Weg bringen. Wir sind die Verkehrs- und Mobilitäts-Region in Deutschland schlechthin. Nirgendwo anders in Deutschland gibt es in der Konstellation von Wirtschaft und Forschung eine solche Verdichtung von Wissen bei diesem Thema.

Nicht jeder weiß, was die Metropolregion ist. Was ist sie also – und wofür brauchen wir sie?

Ganz Europa ist mittlerweile in Metropolregionen gegliedert. Aus europäischer Perspektive sind kommunale und regionale Einheiten schlicht zu klein.

Also haben sich überall in Europa Metropolregionen zusammengeschlossen, die eine gewisse Größe und Gewicht haben – und wir gehören tatsächlich zu den letzten. Wir wollten den Anschluss nicht verpassen. Es hat ein bisschen länger gedauert, weil wir kein klares Zentrum wie Berlin oder Hamburg haben.

Metropole – das klingt ja wie Hauptstadt.

Aber bei uns bedeutet es, dass wir nicht um eine Hauptstadt herum gegliedert sind. Wir haben viele Pole, wir sind gewissermaßen eine flächendeckende Metropolregion. Klar ist: Die Themen, die wir gemeinsam entwickeln, müssen eine europäische Dimension haben und die Kompetenz einzelner Mitglieder überschreiten.

Welche Befugnisse hat die Metropolregion, und welche Mittel stehen ihr dafür zur Verfügung?

Man muss deutlich sagen, dass uns nur wenige Mittel zur Verfügung stehen. Diese Gesellschaft ist finanziell und personell deutlich geringer ausgestattet als etwa die Wolfsburg AG oder die Projekt-Region Braunschweig.

Wir starten sehr klein. Wir können auch nichts regeln oder anordnen. Wir können nur motivieren und auf freiwillige Zusammenarbeit setzen.

Reicht das schon?

Ich finde, das Wichtigste ist doch: Allein, dass in Niedersachsen Braunschweig und Hannover, die beiden alten Rivalen, und dazu Städte wie die Industriestadt Wolfsburg und die große, alte Universitätsstadt Göttingen endlich zusammenkommen und gemeinsam über Probleme und Projekte reden – das ist allein schon die Sache wert. Hier müssen Sie die Effekte mittelfristig sehen.

Wann ist das?

Frühestens in fünf Jahren wird man deutliche Ergebnisse sehen. Bis dahin gibt es nur Zwischenschritte. Nehmen Sie das Beispiel der Elektromobilität, das wir jetzt auf unsere Fahnen heften. Da wollen wir Top-Region in Europa sein und bauen dabei auch auf die Zusammenarbeit mit Unternehmen wie Volkswagen oder Siemens.

Welche Region ist denn nun wichtiger – die Metropolregion oder die von Ihnen angeschobene Region im Großraum Braunschweig?

Das sind zwei paar Schuhe. Bei der Region geht es darum, Gebietskörperschaften zusammenzulegen, um größer zu werden. Die Metropolregion ist keine Gebietskörperschaft.

Beiden gemeinsam ist jedoch: Wir wollen insgesamt zusammenrücken – auf regionaler Ebene in festen Strukturen und auf Metropol-Ebene in lockeren Strukturen. Aber immer mit dem Ziel, zusammenzuarbeiten und größer zu denken.

Können Hannover und Braunschweig tatsächlich Partner werden?

Ohne die anderen Beteiligten in den Hintergrund zu rücken, ist das für mich tatsächlich die entscheidende Frage: Hannover und Braunschweig rücken endlich zusammen, diskutieren und handeln gemeinsam. Das ist schon der Erfolg an sich.

Das muss man sich mal vorstellen: In dieser Struktur arbeiten wir tatsächlich erstmalig zusammen, nach 60 Jahren, in denen es das Land Niedersachsen gibt. Vorher gab es das gar nicht. Und dann kann man natürlich auch verstehen, wenn das jetzt nicht alles über Nacht geht und vielleicht ein bisschen länger dauert.

Aber wenn am Ende herauskommt, dass wir gemeinsam und nicht mehr gegeneinander antreten, dann ist das für mich das Neue und der Erfolg.

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Veröffentlicht: 09.09.2010 - 22:15 Uhr
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