Gemeinsam-Preis: der Festakt als Mitschnitt

Braunschweig  Der Gemeinsam-Preis zeigte, die Vielfalt Ehrenamtlicher in der Region. Unsere Leser und die Jury zeichneten herausragend engagierte Menschen aus. Hier geht es zum Video-Mitschnitt:

Gewinner waren alle: Alle Ehrenamtlichen, die ihre Zeit, ihre Kraft und ihr Wissen einbringen, um anderen zu helfen. Alle Bürger, die mit ihrem Engagement dazu beitragen, dass unsere Region lebenswert ist und die Gemeinschaft zusammenhält. Stellvertretend für die vielen „stillen Helfer“ bekamen Ehrenamtliche aus der Region gestern den Gemeinsam-Preis, der von unserer Zeitung in Zusammenarbeit mit dem Braunschweiger Dom verliehen wird.

Wer den Festakt zur Verleihung des 11. Gemeinsam-Preises unserer Zeitung am Montag im Braunschweiger Dom nicht persönlich miterleben konnte, hat nun Gelegenheit, dies nachzuholen. Ein Mitschnitt zeigt den gesamten Festakt im Dom, bei dem Menschen aus unserer Region geehrt wurden, die sich ehrenamtlich engagieren. Unsere Leser hatten sie gewählt.

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Der scheidende Domprediger Joachim Hempel ehrte mit anderen Jury-Mitgliedern die Preisträger – er wird in wenigen Wochen in den Ruhestand gehen und die Arbeit in der Jury in die Hände von Oberlandeskirchenrat Thomas Hofer legen. Auch Henning Eschemann, der Geschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbands Braunschweig, zieht sich aus der Jury zurück. Seinen Platz wird Monika Döhrmann, die Leiterin des Mütterzentrums Braunschweigs, übernehmen. Harald Wahls, Geschäftsführer der BZV Medienhaus GmbH, lobte die Jury: „Intensive Diskussion und die Beschäftigung mit allen Details machte ihre Arbeit so wertvoll.“

Er dankte auch den Lesern unserer Zeitung für ihr Engagement. Per Telefon und im Internet hatten sie in den vergangenen Wochen abgestimmt und aus allen Kandidaten die Gewinner des Gemeinsam-Preises ausgewählt. Insgesamt sind die Preise mit 10 000 Euro dotiert, sie werden von der Volkswagen Financial Services, dem Braunschweiger Dom und unserer Zeitung gestiftet.

Der erste Preisträger

Der große Robert Walser hat einen Satz aufgeschrieben: „Die Natur braucht sich nicht anzustrengen, bedeutend zu sein. Sie ist es.“ Chefredakteur Armin Maus zitierte in seiner Laudatio den Schriftsteller, um das Engagement von Thomas Kempernolte aus Schöningen hervorzuheben. Obwohl wir in Deutschland über den Wert der Natur nicht streiten sollten, gebe es auch hier Nichtwissen, Nichtkennen, Vergesslichkeit. „Wie oft rasen wir in unserer Alltagshektik an bezaubernder Naturschönheit vorüber?“, fragte Maus. Kempernolte habe gemeinsam mit seinen Mitstreitern eine wunderschöne Region aus dem Schatten geholt. „Er hat uns allen eine Chance gegeben, auf Entdeckungsreise zu gehen und Natur zu genießen.“

Kempernolte war viel mit dem Rad im Elm und Lappwald unterwegs. Da er auch anderen seine Touren zugänglich machen wollte, fing er vor zwei Jahren an, Wege in Wäldern auszuschildern und zu digitalisieren. Auf der Internetseite (www.elm-freizeit.de) sind seine Entdeckertouren abrufbar. Der Preisträger hat aber noch mehr getan.

„Weil es heutzutage nicht reicht, per Verwaltungsakt einen Naturpark zu schaffen, brachte er Menschen zusammen, die allesamt einen Beitrag leisten konnten, um ein überzeugendes Angebot für Naturfreunde zu entwickeln“, sagte Maus.

Die zweiten Preisträger

Das Herz des Dompredigers und Laudators Joachim Hempel hüpfte noch mal so richtig – „vor Freude und vor Genugtuung“, wie er während seiner Lobrede auf den zweiten Preisträger des Gemeinsampreises eingestand. Dieser ging an die Flüchtlingshilfe der Dorfgemeinschaft Lelm im Landkreis Helmstedt.

Im vergangenen Jahr waren 15 Flüchtlinge aus dem Sudan und Somalia in den Ort mit knapp 750 Einwohnern gekommen. Zur Verfügung standen ihnen nur Betten in leeren Wohnungen. Also aktivierten Ortsbürgermeisterin Ilona Maushake und Pfarrerin Stéphanie Gupta die Lelmer. Sie „machten die Tür hinter sich nicht zu, um zu sehen, was kommt, was geschieht, was sich ereignet“, sagte Hempel in Bezug auf das christliche Kirchenlied „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit“. Die Lelmer gingen auf die Flüchtlinge zu.

Bewohner schenkten ihnen Bettwäsche, Kleidung, Kühlschränke und sogar Fahrräder. Später haben drei ehemalige Lehrerinnen damit angefangen, Deutschunterricht zu geben. „Kultur und Bräuche, Sitten und dörfliche Eigenarten werden erklärt, Decken und Kleidung korrespondieren mit Herzenswärme, Verständnis und einem Lächeln in jeder Begegnung“, sagte Hempel.

So verkleinerten die Lelmer nach und nach die Grenzen zwischen sich und den 15 Flüchtlingen. „Das Engagement eines ganzen Dorfes zeigt, wie Gastfreundschaft und Integration in Deutschland aussehen können“, lobte der Domprediger.

Die dritten Preisträger

Es lohnt sich, sein Leben selbst in die Hand zu nehmen – es zu „rocken“, wie Henning Eschemann in seiner Laudatio auf die dritten Sieger des Gemeinsampreises betonte. Für den Geschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Braunschweig liegt das Geheimnis des Erfolges von „Rock your Life“ darin, dass sich Hauptschüler und Studierende bei allen Unterschieden in einer ähnlichen Situation befinden – die Grundfrage lautet bei beiden: Was will ich mit meinem Leben machen?

Studenten der TU Braunschweig, der HBK und der Ostfalia begleiten Schüler der Braunschweiger Hauptschule Sophienstraße und des Schulzentrums Westhagen in Wolfsburg während ihrer letzten beiden Schuljahre. Die Arbeit mit den Mentoren soll den Hauptschülern etwa den Wechsel auf eine weiterführende Schule oder den Start in eine Berufsausbildung erleichtern.

„Neben ihrem Studium richten sie sich ein auf zweijährige Coaching-Beziehungen und unterstützen die Schüler, ihr individuelles Potenzial zu entfalten, sie in ihren Fähigkeiten, Talenten und Visionen zu stärken sowie ihre Perspektiven zu erweitern“, lobte Eschemann.

„Das Engagement der Studenten zahlt sich aus.“ Es ergebe sich eine wahre Win-Win-Situation für die Schüler, für die Studierenden und auch für die Unternehmen.

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